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WiYou . Wirtschaft und Du . Ausgabe 52016

Foto: Manuela Müller

Soziale Berufe

8

Die will doch nur spielen

Aufgaben:

Sonderund Integrationspädagogen ar­

beiten mit Menschen, die aufgrund körperlicher

oder geistiger Beeinträchtigungen einen erhöhten

Förderbedarf haben.

Dauer: insgesamt

5 Jahre Hochschulstudium

(Beruf mit unterschiedlichen Ausbildungswegen)

Voraussetzungen:

Studiert werden kann nur mit

Hochschulzugangsberechtigung, ein Numerus

clausus oder Vorpraktika sind von der jeweiligen

Hochschule abhängig. Im Arbeitsalltag gefordert

werden Offenheit, Einfühlungsvermögen, Fein­

gefühl, gutes Ausdrucksvermögen und Kreativität.

Chancen:

Sonderpädagogen arbeiten in Tages­

stätten, Schulen, Heimen oder Beratungsstellen

und bei ambulanten oder mobilen sozialen

Diensten.

Sonder- und

Integrations-

pädagoge

(m/w)

.

Spielen, das kann doch jedes Kind. Ja, okay, das stimmt schon irgendwie. Da wird dann einfach das gespielt, was gerade am meisten Spaß macht. Und wenn

.

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es keinen Spaß mehr macht, kommt das nächste Spielzeug an die Reihe. Ganz einfach. Spielen kann aber mehr sein, gezielte Förderung zum Beispiel.

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Und das kann dann nicht mehr jedes Kind, also zumindest nicht ohne Anleitung – und genau an dieser Stelle kommt Katrin ins Spiel – Wortspiel

.

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beabsichtigt. Sie ist Sonderund Integrationspädagogin im Bereich Frühförderung und täglich mit einem halben Kinderzimmer im Kofferraum unterwegs zu

.

.

ihren kleinen Klienten, heute zum Beispiel in Apolda zum Max.

.

Zum Ausschneiden und Abheften in deinem Berufswahlpass.

Wenn Katrin mit Bastelkorb und Luftballons anrückt, sieht das eher nach

Vergnügen aus.

„Und ich habe tatsächlich auch Spaß bei der Arbeit, aber das

eigentliche Spielen ist nur ein Arbeitsbereich. Es gehört auch immer eine

Vorbereitung dazu. Ich muss überlegen, welche Aktivitäten zu den Interessen

des Kindes passen und wie ich diese zur Förderung umsetzen kann. Und dann

gibt es auch immer eine Nachbereitung, also eine Art Auswertung, und die

begleitende Dokumentation.“ Als Sonderund Integrationspädagogin begleitet

Katrin Kinder bis zum Schuleintritt, bei denen ein erhöhter Förderbedarf diag­

nostiziert wurde. Das sind zum Beispiel Kinder, die als Frühchen auf die Welt

kamen und in der Entwicklung noch nicht so weit sind wie ihre Altersgenos­

sen. Oder Kinder, die Probleme mit der Aufmerksamkeit und Konzentration

haben. „Anders als zum Beispiel bei klassichen Therapeuten geht es bei mir

nicht darum, ein Störungsbild zu behandeln, sondern um eine ressourcenori­

entierte Förderung. Das heißt, man setzt bei dem an, was das Kind schon

kann, um spielerisch Defizite auszugleichen. Mit dem zweijährigen Max zum

Beispiel wird heute gemalt, weil er das gern macht und es gleichzeitig die

Feinmotorik und Konzentration schult. Außerdem wird nebenbei viel gespro­

chen, was wiederum gut für die Sprachentwicklung ist.“ Katrin guckt dabei üb­

rigens nicht nur zu, sondern macht selbst mit. „Das ist etwas, was mir an mei­

ner Arbeit besonders gut gefällt. Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten

und eigentlich Lehrerin werden. Ich hab dann aber gemerkt, dass der außer­

schulische Bereich für mich viel spannender ist und mich während des

Studiums umentschieden.“ Katrin studierte Erziehungswissenschaft im

Bachelorstudium und anschließend Sonder und Integrationspädagogik im

Master. „Dort ging es um kindliche Entwicklung, Entwicklungspsychologie,

Entwicklungsstörungen, pädagogische Konzepte und didaktische Methoden.

Im Master habe ich mich dann für den Schwerpunkt Kinder mit Lernbeein­

trächtigungen entschieden. Das Studium war sehr theoretisch, deshalb habe

ich zusätzlich ehrenamtlich in einer Integrativen Kindertagesstätte gearbeitet.“

Jetzt arbeitet Katrin in einer Frühförderstelle, ambulant und mobil.

Das

heißt, die Kinder werden zu ihr in die Förderstelle gebracht oder sie fährt zu

ihnen, entweder in die Kita oder direkt nach Hause. „Ein weiterer Schwer­

punkt meiner Arbeit ist die Beratung. Die Eltern sollen mit einbezogen und die

Förderinhalte ins häusliche Umfeld übertragen werden. Ich zeige den Eltern,

wie sie ihre Kinder unterstützen können. In erster Linie ist das Erziehungs­

beratung, aber auch ein bisschen Seelsorge. Ich arbeite auch mit Kindern aus

sozial schwierigen Verhältnissen, das ist ein Punkt, an dem ich manchmal an

meine Grenzen stoße, emotional und mit meinen Möglichkeiten.“

Zu Letzteren gehört auch die Kommunikation mit Ärzten und Ämtern.

„Ich

helfe beim Ausfüllen von Anträgen oder organisiere Termine und begleite die

Familie dabei. Sehr wichtig in meinem Beruf sind dafür neben dem Fachwissen

Einfühlungsvermögen und Feingefühl. Ich muss gut mit Kindern, aber auch

mit Erwachsenen umgehen können, mich immer wieder neu auf meine

Klienten und ihr Umfeld einstellen können und gut organisiert sein – ich habe

keinen Bürojob, an dem jeder Tag gleich ist – und ich habe viel Spaß bei der

Arbeit, auch wenn nicht nur gespielt wird.“ (mü)